Fränkische Ingenieure in der Entwicklungszusammenarbeit

12.04.2012, Nürnberg – Drei Jahre nach ihrer Gründung ist die Nürnberger Regionalgruppe der gemeinnützigen Hilfsorganisation Ingenieure ohne Grenzen e.V. stark in Afrika engagiert. Im Gegensatz zum Vorbild „Ärzte ohne Grenzen“ sind es nicht Mediziner, sondern Techniker, die Entwicklungszusammenarbeit leisten. Sie bringen nicht nur Fachwissen und technisches Know-how dorthin, wo es dringend gebraucht wird, sondern packen auch tatkräftig mit an. Denn in vielen Entwicklungsländern besteht ein hoher Bedarf an technischer Unterstützung beim Bau und Betrieb von Wasser- und Energieversorgung, Infrastruktur und sanitären Anlagen.

Die Franken konnten bereits drei Projekte umsetzen und arbeiten an drei weiteren. In Ghana wurde ein OP mit einer Notstromversorgung ausgestattet und eine zuverlässige Wasserversorgung für eine große Internatsschule installiert. Letztes Jahr wurde zusammen mit der Regionalgruppe Jena eine Photovoltaikanlage für eine Dorfschule im äthiopischen Makibasa errichtet. Aktuell beraten die Ingenieure ein Waisenhaus in Addis Abeba bei der Sanierung einer Großküche und arbeiten weiter an ihrem Projekt „Strom und Wasser für ein ganzes Dorf“. Dieses kommt dem Savannendorf Nagasséga im Norden Benins zugute. Ende des Jahres wollen die Fachleute noch die technischen Möglichkeiten zur sicheren Wasserversorgung eines Krankenhauses in Tansania erkunden.

Das Projekt in Nagasséga ist beispielhaft für die Arbeit der Regionalgruppe. „Fließendes Wasser gibt es ebenso wenig wie elektrischen Strom und die Nahrungsmittel sind sehr einseitig“, erklärt der Projektleiter Michael Bolland. Die ehrenamtlich tätigen Helfer installieren mit ihrem Partnerverein Dassari-Benefiz e.V. aus Erlangen bei mehrwöchigen Arbeitsbesuchen unter anderem Solarmodule. Nun erleuchten LED-Lampen die Dunkelheit statt gefährlicher Kerosin-Laternen. Die neuen Zisternen speichern in der kurzen Regenzeit Wasser, mit dem während der achtmonatigen Trockenperiode die Gärten bewässert werden. So soll mittelfristig die Nahrungsmittelversorgung der Bewohner verbessert und eine ausgewogene Ernährung sichergestellt werden. In einem nächsten Schritt sollen Windräder eine ausreichende Stromversorgung sicherstellen. Dazu leisten die Ingenieure allerdings erst einmal Pionierarbeit und bauen den Prototyp einer Kleinwindanlage für die Umweltstation Lias-Grube bei Eggolsheim. Eine gründliche Vorbereitung gehört einfach dazu.

Die Arbeit vor Ort ist dann geprägt vom Streben nach Nachhaltigkeit und der Hilfe und Anleitung zur Selbsthilfe. „Auch für einfache Infrastrukturprobleme sind immer wieder Lösungen zu entwickeln und umzusetzen, die ingenieurtechnisches Wissen und Können erfordern. Das setzen wir gemeinsam mit den Menschen vor Ort um. Schulung ist dabei ein zentraler Bestandteil.“, betonte Stefan Dietrich, der Sprecher der Regionalgruppe. Dazu binden die deutschen Ingenieure und Techniker die Einheimischen ganz bewusst in die Arbeit ein. Schließlich sind sie es, die nach der Rückkehr der Helfer Anlagen und Geräte am Laufen halten sollen – mit Unterstützung der Ingenieure, die nicht nur auf akribische Vorbereitung und Durchführung ihrer Projekte achten, sondern auch auf Nachbereitung und Nachsorge viel Wert legen.

Die Nürnberger Gruppe ist im Januar 2009 als neunte regionale Gruppe der deutschen Organisation in der Georg-Simon-Ohm-Hochschule gegründet worden. Sie besteht aus Ingenieuren und Studenten aus dem Großraum Nürnberg, Fürth, Erlangen und Bayreuth. Mehrere Arbeitsgruppen widmen sich den jeweiligen Projekten, beschäftigen sich etwa mit der konkreten Planung und zeitlichen Umsetzung. Andere Mitglieder kümmern sich um Öffentlichkeitsarbeit oder Fundraising. Die Nürnberger Gruppe, die derzeit 30 Mitglieder hat, trifft sich jeden letzten Mittwoch im Monat am Ohm (GSO), Kesslerplatz 12, Raum A202, zum Informations- und Erfahrungsaustausch. Bundesweit gehören mehr als 1.400 Menschen in derzeit 28 Regionalgruppen Ingenieuren ohne Grenzen e.V. an.

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