Breaking Bread

Eine Kritik

Die Welt hungert und jeder weiß es! Aber Frau Mackenroth sprengt, da sie ja Künstlerin ist, Brot in die Luft, um mal wieder auf das Thema aufmerksam zu machen. In München, einer der sattesten Städte der Welt, vor versammelter Journaillie, die sich gute Bilder für die Morgenausgabe erhofft. Und Frau Mackenroth sitzt adrett gekleidet im Rasen und schwafelt über Welthunger und Rüstung. Das anzusehen war schlicht Verschwendung von Lebenszeit, eitel, leer, nichtig! Jonathan Meese würde vor Frau Mackenroth ausspucken, Schlingensief würde nur müde lächeln!

Also haben wir es hier mit Selbstvermarktung zu tun, einer gelungenen. Die Journaillie hat erwartungsgemäß berichtet, wohl auch, weil die Anfahrt aus den klimatisierten Büros in der Münchner Innenstadt ja sicher wenig beschwerlich war.

Kunst wäre es gewesen, wenn Frau Mackenroth in Somalia, Haiti, im Kongo oder in Burundi eine 39 Meter lange Tafel aufgestellt hätte, auf der all die schönen Leckereien angerichtet gewesen wären, die beim letzten G20 Gipfel serviert wurden. 39 Meter im Übrigen deswegen, weil das der Maximalwert des Welthunger-Indexes ist, der real im hungrigsten Land der Welt (Demokratische Republik Kongo) erreicht wird.

Wir stellen uns also einen langen Tisch vor mit Gänseleberpastete, Hirsch an Safransauce, Spargelvariation mit Walnuss, Lachs mit Lauchzwiebeln und Fenchelgemüse, Gemüsecurry mit Sherry-Kirschtomaten-Sauce, Tiramisu mit Blattgold, Vanilleeis mit Waldhimbeeren, usw. – üppig eben, ein Festmahl für gut und gerne 100 bis 200 Personen, vielleicht noch eine sechsstöckige Torte in der Mitte, mit reichhaltiger Marzipanverziehrung. Die Tafel und das Aktionsgelände sind natürlich eingezäunt, damit Unterernährten nicht beim Aufbau und dem eigentlichen Happening stören können.

Pünktlich am 8. August (8,8 Millionen Menschen sterben jährlich an Hunger) um 22:00 Uhr (das entspricht der empfohlenen täglichen Kalorienzufuhr) wird das Festmahl dann vor den Augen tausender Hungernder in die Luft gesprengt. Die Unterernährten wurden eigens dafür mit Bussen aus ihren Slums und Favelas herangekarrt.
Was gäbe das für ein Bild? Ich stelle mir vor wie zu Ode an die Freude die Schweine- und Entenfetzen fliegen, Champangerflaschen explodieren, der Kuchen in Stücke gesprengt wird. Dazu noch Feuerwerksraketen. Aufgenommen von dutzenden Kameras, aus den unterschiedlichsten Perspektiven, weltweit Live übertragen.

Ein Stakkato an Bildern – Schweinshaxn wirbeln durch die Luft – Schnitt – Kind mit Blähbauch – Schnitt – zerplatzende Weinflasche – Schnitt – Luftbild des Happenings von einem Quadrocopter – Schnitt – weinende, flehende Frauen mit Kindern auf dem Arm – Schnitt – ein Stapel Obst stiebt auseinander – Schnitt – Sicherheitspersonal das mit Schlagstöcken die Hungernden auf Abstand hält – Schnitt – Feuerwerk – Schnitt – gefüllte Hühnchen zerplatzen – Schnitt – Orchester in Abendgarderobe setzt zum Crescendo an – Schnitt – die Tore zum Gelände werden geöffnet – Schnitt – ein Tablett mit Pralinen brennt lichterloh – Schnitt – hungrige Menschen stürmen auf den Platz – Schnitt – Abspann mit Sponsoren zu den Bildern von Reste-essenden Menschen.

Das wäre Kunst gewesen.

Hier die Aktion:
Spiegel Online

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